Interview - SaaS-SEO: So gewinnen Software-Anbieter Sichtbarkeit und Leads

Im heutigen Interview sprechen wir mit SaaS-SEO-Experten Manuel Sika, der wertvolle Einblicke in die besonderen Herausforderungen und Chancen dieser Branche gibt – und verrät, wie Softwareanbieter ihre Sichtbarkeit in den Google-Suchergebnissen gezielt steigern und sich so im umkämpften Markt erfolgreich positionieren können.

Portraitbild von Dirk Veit

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Hallo Manuel, lass uns direkt einsteigen. Was versteht man unter SEO für SaaS Unternehmen?

SEO für SaaS-Unternehmen bedeutet, die eigene Softwarelösung über Suchmaschinenoptimierung auffindbar zu machen. Also organische Sichtbarkeit erzeugen.

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Warum ist SEO gerade für die Softwarebranche von Bedeutung?

SEO ist für die Softwarebranche besonders wichtig, weil es Softwareprodukte und SaaS-Lösungen in einem wettbewerbsintensiven Markt sichtbar macht und qualifizierte Nutzer auf die eigene Website bringt. Da viele Entscheidungen digital getroffen werden, sorgt eine starke SEO-Strategie für nachhaltigen Traffic, mehr Leads und langfristiges Wachstum – übrigens oft effizienter als bezahlte Werbung

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Wie können SaaS-Anbieter gezielt für transaktionale UND informationsorientierte Keywords ranken?

Der erste Schritt ist, die relevanten Keywords für das eigene SaaS-Unternehmen zu kennen und diese nach Themen und Suchintention zu clustern. Daraus entsteht eine Content-Strategie, die exakt auf die Bedürfnisse der Zielgruppe in den unterschiedlichen Phasen der Customer Journey zugeschnitten ist. Transaktionale Keywords können gezielt mit Produktseiten, Funktionsseiten oder Feature-Landingpages abgefangen werden. Dort kann der Nutzer sofort sehen, wie die Software sein Problem löst und direkt eine Demo anfragen oder kaufen. Informationsorientierte Keywords lassen sich ideal in einem Wissensbereich umsetzen (z. B. Blog, Magazin oder Lexikon).

Auch wenn durch LLMs und AI Overview über solche Inhalte nicht mehr so viele Klicks wie früher erzeugt werden, gibt es hier immer noch wertvolle Potenziale und man baut sich somit für sein SaaS-Unternehmen einen Expertenstatus für einen bestimmten Bereich auf. Das hilft wiederum beim Ranking für transaktionale Keywords.

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Welche Content-Formate (z. B. Use Cases, Vergleichsseiten, Anleitungen) funktionieren hier besonders gut für SaaS-SEO?

Ich habe besonders gute Erfahrungen mit Feature-Landingpages für einzelne Kernfunktionen der Software gemacht (z. B. Buchhaltung, E-Rechnung oder Lohnabrechnung). Solche Seiten können gezielt auf passende Suchanfragen, die Begriffe wie „Software“ oder „Programm“ enthalten, optimiert werden. 


Das spricht Nutzer an, die bereits eine klare Kaufabsicht haben und aktiv nach einer Lösung suchen.

Ebenfalls sehr effektiv sind kostenlose Tools oder Rechner, die direkt auf der Website nutzbar sind – etwa ein Gewerbesteuerrechner oder ein Abschreibungs-Rechner. Solche interaktiven Inhalte ranken oft sehr gut für passende Suchanfragen und bringen kontinuierlich organische Leads, weil sie nicht nur informieren, sondern auch sofort einen praktischen Nutzen bieten.

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Wie kann man beispielsweise Feature-Seiten, Preisübersichten und Vergleichsseiten so optimieren, dass sie auch organischen Traffic generieren?

Entscheidend ist auch hier wieder die Keyword-Strategie: Ich muss wissen, was meine Zielgruppe sucht, und das Wording darauf anpassen. Statt stur an internen Bezeichnungen festzuhalten. Aber nicht jede Softwarefunktion oder Preisübersicht hat nennenswertes Suchvolumen und das ist völlig in Ordnung.

Bei den Themen mit Suchvolumen ist es aber umso wichtiger, einen klaren Keywordfokus zu haben, die Suchintention zu kennen und passenden Content (Text, Bilder, Grafiken, Videos) bereitzustellen. Wichtige Seiten brauchen zudem eine starke interne Verlinkung. Und für Softwareprodukte gibt es außerdem passende strukturierte Daten.

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Lassen sich Blog, Knowledge Base und Help Center SEO-strategisch überhaupt voneinander abgrenzen und optimieren?

Sehr gute Frage. Hier entstehen in der Praxis häufig Keyword-Kannibalisierungen. Blogartikel, Knowledge-Base-Artikel und Help-Center-Inhalte ranken dann für dieselben Suchbegriffe und nehmen sich gegenseitig Sichtbarkeit weg.

Als SEO kann man in solchen Fällen meistens nur noch nachträglich über Keyword-Ausrichtung und Suchintention abgrenzen und den Content „aufräumen“. Das ist je nach Projektgröße oft ein sehr wichtiger Task, weil man so wieder eine klare Struktur und Ranking-Fokus herstellt. Im Idealfall wird dieses Thema schon beim Entwurf der Website zusammen mit einem SEO-Experten geplant. Dann lassen sich Blog, Knowledge Base und Help Center so aufbauen, dass sie sich inhaltlich und strukturell ergänzen statt konkurrieren.

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Wie berücksichtigst du die Customer Journey (Awareness → Consideration → Decision) bei einer SEO-Strategie für SaaS-Produkte?

Zu Beginn fokussiere ich mich immer auf Suchanfragen mit klarer Kaufabsicht, um möglichst schnell Quick Wins zu erzielen und erste messbare Verbesserungen zu liefern. Das bringt oft in kurzer Zeit mehr Leads und beweist den ROI der SEO-Maßnahmen.

Am wirkungsvollsten ist SEO für SaaS-Unternehmen jedoch, wenn die gesamte Customer Journey berücksichtigt wird. Hier liegen häufig enorme, bislang ungenutzte Potenziale, um Interessenten schon viel früher abzuholen – noch bevor sie aktiv nach einer konkreten Lösung suchen.

Durch Content und Landingpages, die sowohl in der Awareness- als auch in der Consideration-Phase sichtbar sind, können wir Vertrauen aufbauen, Expertise zeigen und potenzielle Kunden langfristig an die Marke binden. So entsteht ein organisches Wachstumssystem, das nicht nur kurzfristige Conversions bringt, sondern kontinuierlich neue Interessenten generiert und sie bis zur Kaufentscheidung begleitet.

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Welche Rolle spielt technisches SEO für SaaS-Websites mit komplexen App-Infrastrukturen?

Eine saubere technische Basis ist, wie bei allen anderen SEO-Projekten auch, wichtig, um überhaupt in den Top-Rankings mitspielen zu können. Bei meinen SaaS-Projekten habe ich bisher allerdings selten größere technische Hürden entdeckt, die den Erfolg massiv gebremst hätten.

Aus meiner langährigen SEO-Erfahrung weiß ich mittlerweile, dass technische Optimierungen oft nicht der größte Hebel sind. Viel wichtiger sind eine sinnvolle Keyword- und Contentstrategie sowie der Aufbau einer wettbewerbsfähigen Domainautorität. Mein Ansatz ist deshalb: Technische Basis sauber halten (keine Indexierungsfehler, solide Ladezeiten, klare Struktur). Und dann schnell zu den Hebeln wechseln, die wirklich Wachstum bringen. So fließen Zeit und Budget in Maßnahmen, die den größten ROI bringen, anstatt sich in endlosen technischen Audits zu verlieren.

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Kommen wir zur internen Verlinkung. Hast Du "Best Practices" zur internen Verlinkung auf SaaS-Websites mit vielen Feature- und Landingpages?

Ja, auf jeden Fall. Meine Best Practices zum Thema interne Verlinkung sind:

 

Bestandsaufnahme der internen Verlinkung: Analyse der wichtigsten Seiten und Anzahl der internen Links, um Potentiale zu entdecken. Das kann man ganz leicht, indem man die Daten der Google Search Console mit den Screaming Frog Daten verknüpft. In meinem Blogbeitrag habe ich beschrieben, wie man damit die interne Verlinkung gezielt optimieren kann.

 

Keyword-basiertes Ankertext-Targeting: Statt „hier klicken“ oder „mehr erfahren“ nutze ich präzise, keywordrelevante Ankertexte wie „E-Rechnung Software“ oder „CRM für Agenturen“.

 

Crosslinks zwischen verwandten Features: Wenn Funktionen thematisch zusammenhängen, sollten die Seiten auch untereinander verlinkt sein.

 

Regelmäßiges Aufräumen: Interne Links sollten aktuell bleiben. Alte, irrelevante oder fehlerhafte Links abbauen, um den „Linkjuice“ auf die wirklich wichtigen Seiten zu konzentrieren.

 

Conversion-Pfade gezielt integrieren: Von informationsorientierten Inhalten (Blog, Knowledge Base) immer auf relevante Feature-Seiten verlinken.

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Und wie können SaaS-Unternehmen die internationale Skalierung ihrer SEO-Strategie meistern (z. B. hreflang, lokalisierte Inhalte)?

Internationale SEO für SaaS bedeutet weit mehr als die bloße Übersetzung bestehender Inhalte. Es geht darum, in jedem Zielmarkt sprachlich, kulturell und technisch relevant zu sein. Die technische Basis beginnt dabei mit einer sauberen Implementierung von hreflang-Tags, damit Google genau weiß, welche Sprachversion in welchem Land ausgespielt werden soll. Ebenso wichtig ist eine klare URL-Struktur über Sprachordner wie /de/, /en/ oder /fr/ und die Sicherstellung, dass jede Version vollständig indexierbar und zugänglich ist.

 

Der größte Hebel liegt jedoch in den Inhalten. Statt Texte eins zu eins zu übersetzen, recherchiere ich zuerst die Keywords im Zielmarkt, denn Suchverhalten und Begrifflichkeiten unterscheiden sich oft stark. Inhalte werden dann lokalisiert, nicht nur sprachlich, sondern auch im Hinblick auf Tonfall, Beispiele, Screenshots und selbst Details wie Preisangaben, Währungen oder gesetzliche Rahmenbedingungen. Nur so entsteht Content, der sich für die Nutzer wirklich „vor Ort“ anfühlt.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist der gezielte Aufbau von Autorität in jedem einzelnen Markt. Backlinks aus deutschen Medien helfen dem Ranking in Großbritannien kaum. Deshalb setze ich in neuen Märkten auf lokale PR, Gastbeiträge, Partnerschaften und Branchenverzeichnisse, um dort Domainautorität aufzubauen.

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Letzte Frage: Wie wird aus deiner Sicht das Aufkommen von KI Plattformen wie ChatGPT und Perplexity die Suchmaschinen­optimierung für SaaS-Unternehmen verändern?

In klassischen Suchmaschinen klickt der Nutzer auf einzelne Ergebnisse, während KI-Suchen oft direkt eine zusammengefasste Antwort liefern. Das bedeutet: Wer in diesen Antworten nicht vorkommt, existiert für den Nutzer in diesem Moment praktisch nicht. Für SaaS-Unternehmen heißt das, dass Content-Qualität und Autorität noch stärker im Fokus stehen müssen. 

 

 KI-Suchsysteme ziehen ihre Informationen aus verschiedensten Quellen bevorzugt aus vertrauenswürdigen, gut strukturierten und klar formulierten Inhalten. Wer als Marke sichtbar bleiben will, muss also Inhalte erstellen, die sowohl für klassische Suchmaschinen als auch für KI-Modelle leicht „verständlich“ sind. Und das nicht nur auf der eigenen Website. Der Aufbau von Erwähnungen auf relevanten Seiten wird wichtiger werden.

Vielen Dank für die Einblicke!

Gerne!

Experte: Manuel Sika

Portraitbild von SaaS SEO-Experte Manuel Sika

Manuel Sika ist SaaS-SEO-Spezialist mit über 15 Jahren Erfahrung im digitalen Marketing und Gründer der SEO Agentur sikamedia. Er unterstützt SaaS-Unternehmen dabei, ihr organisches Wachstum über die Google und KI-Suche zu steigern. Seine Arbeit kombiniert datengetriebene Analysen, strategische Keyword- und Content-Planung sowie den gezielten Aufbau von Domainautorität. Als Berater und Sparringspartner begleitet Manuel SaaS-Teams von der Strategie bis zur Umsetzung und sorgt dafür, dass SEO zum skalierbaren Wachstumsmotor wird.

Manuel auf Social Media:

Interviewer: Andreas Schudey

Andreas Schudey

Andreas ist der Gründer von Dein SEO Kurs. Auf der Plattform hast Du verschiedene Möglichkeiten, selber SEO zu lernen, beispielsweise mit dem SEO Online Kurs oder einem SEO Webinar.
Im Fokus steht dabei immer, die wichtigsten SEO Strategien und Rankingfaktoren praxisnah und verständlich zu vermitteln.

Andreas auf Social Media:

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